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Die St.-Vitus-Kirche zu Wilkenburg und ihre Geschichte

Wappen WilkenburgWilkenburg liegt ca. 2 km von der südlichen Stadtgrenze Hannovers entfernt in der Leineniederung zwischen Laatzen, Hemmingen-Westerfeld und Arnum. Mit der Gebietsreform von 1974 wurde Wilkenburg einer der sieben Ortsteile der Stadt Hemmingen. Am Nordrand von Wilkenburg liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Gutes der Familie von Campe die St.-Vitus-Kirche, der Kirchhof (ehemaliger Friedhof des Ortes) und das Gemeindehaus der St.-Vitus-Kirchengemeinde mit Gemeindebüro und Pfarrwohnung. Zur St.-Vitus-Kirchengemeinde gehören heute die Hemminger Ortsteile Wilkenburg und Harkenbleck, nachdem die vormals ebenfalls von der St.-Vitus-Kirche aus betreuten Orte Arnum und Hemmingen-Westerfeld 1968 bzw.1976 selbständige Kirchengemeinden wurden und eigene Gemeindekirchen erhielten.

Die St.-Vitus-Kirche, die seit ihrer Erbauung in enger Verbindung mit dem jeweiligen Anwesen (im Volksmund Burg genannt) auf dem Gelände des heutigen Gutes zu Wilkenburg steht, blickt auf eine lange Geschichte zurück. In einer undatierten, während der Amtszeit des Bischofs Sigward von Minden (1120 – 1140) gefertigten Urkunde, wird der Ort Welekenburg als Lehen des Bischofs vergeben an eine Wieburga genannt. Demnach befand sich bereits vor rund 900 Jahren auf dem Gelände des heutigen Wilkenburgs eine Ansiedlung, bedeutend genug, um in einer Übersicht der Besitztümer des Bischofs Erwähnung zu finden. Historiker vermuten, dass der ursprüngliche Ortsname Welekenborg auf eine Burg eines Waleg oder Weleko hinweist, die hier im Grenzbereich zum Hochstifts Hildesheim möglicherweise der Sicherung der Besitztümer der Mindener Bischöfe dienen sollte.

Von Bernd Adam und Michael Flechtner wurden im Jahre 2001 im Zusammenhang mit umfangreichen Renovierungsmaßnahmen an der Kirche bauarchäologische und bauhistorische Untersuchungen durchgeführt. Die nachfolgenden Ausführungen sind einer Schrift der beiden Autoren über die daraus resultierenden Erkenntnisse entnommen:*

Die Untersuchungsbefunde sprechen dafür, dass in der erste Hälfte des 12. Jahrhunderts an der Stelle der heutigen Kirche eine romanische Saalkirche erbaut wurde. Das bis heute erhaltene Schiff dieser ersten Kirche stellt somit den ältesten Teil des heutigen Kirchengebäudes dar. Dem Baustil der Gründungszeit entsprechende hoch liegende Rundbogenfenster sind an den Längsseiten des heutigen Kirchenschiffs in vermauertem Zustand nachweisbar. Gut sichtbare ebenfalls vermauerte Bögen an der Süd- und der Nordseite des Kirchenschiffes weisen nach Meinung Adams und Flechtners darauf hin, dass die Kirche im 12. Jahrhundert über Seitenarme verfügte, die üblicherweise als Grablege genutzt wurden. Die Errichtung der Seitenarme legt die Vermutung nahe, dass einer der Halter des Lehens Welekenborg (z.B. wird ein Tidericus de Welekenburg in mehreren aus der ersten Hälfte des 13. Jh. stammenden Urkunden als Zeuge für verschiedene Rechtsgeschäfte des Bischofs Konrad von Minden genannt) bei seinem Hof eine Eigenkirche mit Grablege für seine Familie gründete.

Diese erste Kirche wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut. So erhielt die Kirche bereits im12. Jh. anstelle des ursprünglichen Chors den größeren Chor der heutigen Kirche und eine Vorhalle an der Stelle, an der heute der Kirchturm steht.

Dem Lehensregister des Bischofs Gottfried von Minden (1303 – 1324) ist zu entnehmen, dass zu Beginn des 14. Jahrhunderts mehrere Personen in Welekenborch Häuser hatten und Land und Wiesen bewirtschafteten, eine Fischerei und eine Mühle betrieben wurde und ein Kornboden, der dem Kloster Schinna gehörte und 1325 für drei Jahre den Brüdern Eberhard und Johannes von Alten überlassen wurde.

Ende des 14. Jh. verklagte Werner von Alten die Herzöge Bernhard und Heinrich zu Braunschweig-Lüneburg, auf zu seinem Erbe gehörenden Land und Gut zu Wilkenburg ein befestigtes Schloss für ihrer Gefolgsleute Amtmann gebaut zu haben. Die Herzöge unterlagen in dem Rechtsstreit und sicherten 1398 zu, das von ihnen errichtete neue Schloss sowie den ebenfalls neu erbauten Kirchturm (an Stelle der bisherigen Vorhalle) abzureißen. Offenbar setzten sie ihre Zusage auch in die Tat um, denn Urkunden belegen, dass Werner von Alten und sein Sohn Heinrich 1424 – 1429 nun ihrerseits eine neue befestigte Wohnanlage zu Wilkenburg bauten, trotz eines Schiedsspruchs, der allen an dem vorausgegangenen Streit beteiligten Parteien, die Errichtung neuer befestigter Gebäude untersagte. Die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg verlangten, die sich noch im Bau befindlichen Gebäude den Bürgern Hannovers zum Abbruch zu übergeben. Es ist nicht überliefert, ob es tatsächlich zu einem erneuten Abbruch der Burganlage und des Kirchturms kam. Die Datierung der Sonneruhr über dem Turmportal der Kirche belegt jedenfalls, dass 1461 zumindest der untere Bereich des heutigen Kirchturms vorhanden war. Allerdings weist der Turm bauliche Besonderheiten auf, die auf mehrfache Abriss-, Aufbau- und Ausbesserungsmaßnahmen hinweisen.

In verschiedenen Schriften wird die Kirche zu Wilkenburg als Parochialkirche, d.h. Kirche für eine Gemeinde bezeichnet (1438) und der HL. Vitus als Patron der Kirche erwähnt (1462). In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hält die Reformation Einzug in Wilkenburg. Cyriacus Schlüter (ab 1542) führt als erster die bisher ununterbrochene Reihe evangelischer Pastoren an der St. Vitus Kirche an.

Im Dreißigjährigen Krieg besetzten und plünderten die feindlichen kaiserlichen Truppen (1625) wie auch die schwedischen Verbündeten (1640) Wilkenburg und seine Kirche. Truppen. Trotzdem waren unmittelbar nach Beendigung der Kampfhandlungen in Norddeutschland am Ort Mittel vorhanden, um die beschädigte Kirche umfangreich zu reparieren und auszustatten (z.B. den Taufstein 1643, die Kanzel (1682) und ebenfalls im letzten Viertel des 17. Jh. den barocken Altaraufsatz).

Die Bautätigkeit an der Kirche ging auch im 18. Jahrhundert weiter: Vergrößerung der Fenster an der Südwand, ein neues Kirchendach mit Dachfenstern, Aufmauerung einer neuen Westfassade, Errichtung eines vom Boden bis ins Obergeschoss des Kirchturms reichenden selbstragenden hölzerne Glockenstuhls und den Bau des Fachwerkobergeschosses, der Mansartdachhaube des Turms sowie eines separaten Zugangs zur Empore der Adelsfamilie über die Turmtreppe.

Der Zweite Weltkrieg brachte die Beschlagnahmung der erst 20 Jahre zuvor als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg konfiszierten Glocken und metallenen Orgelpfeifen mit sich. Ein Luftangriff im September 1943, bei dem das nahe der Kirche gelegene Schloss des Gutshofs und mehrere Häuser in Wilkenburg zerstört wurden, verursachte an der Kirche Schäden an Dach, Fenstern, Wänden und Decke und bei einem weiteren Fliegerangriff 1945 stürzten Teile des Daches in den Innenraum.

Ab dem Frühjahr 1946 wurden die so entstandenen Schäden schrittweise repariert und 1961 – 63 die starken Feuchtigkeitsschäden an Wänden, Fußböden, Gestühl, Altar und Kanzel in Angriff genommen, die überwiegend von einer außergewöhnlich heftigen Überschwemmung im Februar 1946 herrührten, als das Wasser bis zu einem Meter hoch in den Straßen und Häusern Wilkenburgs stand.

Ohnehin stellen die Bemühungen um den Erhalt der Kirche seit ihrer Errichtung geprägt von einem immerwährenden Kampf mit dem hohen Grundwasserstand und die jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen der Leineniederung. So wies schon 1990 der erst dreißig Jahre zuvor aufgebrachte Wandputz im Innenraum der Kirche erneut massive Schäden auf . Einem 1998 gegründeten „Förderverein der St.-Vitus-Kirche zu Wilkenburg“ gelang es in erstaunlich kurzer Zeit ausreichende Mittel für eine 2000/2001 erfolgte komplette Innenrenovierung einzuwerben.

Mit den umfangreichen Maßnahmen, gestützt auf die Ergebnisse der genannten bauarchäologischen und bauhistorischen Untersuchung, ist es gelungen, den ursprünglichen Grundriss und Stil der historischen Kirche zu betonen und gleichzeitig liturgischen Erfordernissen und kirchengemeindlichen Bedürfnissen unserer Zeit einen angemessenen Raum zu geben. Über ihre eigentliche Bestimmung hinaus, repräsentiert die St.-Vitus-Kirche für viele Einwohner der verschiedenen Ortsteile Hemmingens ein Stück Regional-, Kultur- und Kunstgeschichte oder ist Teil ihrer ganz persönlichen Erinnerung an besondere Stationen in ihrem Leben. (es)

*Adam, Bernd und Michael A. Flechtner: Die-St.-Vitus-Kirche in Wilkenburg - Neun Jahrhunderte Planungs- und Baugeschichte. Celle: Ströher-Druck 2001

Siehe auch Wilkenburg bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilkenburg
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